Bildungsurlaub für pflegende Angehörige

Bildungsurlaub für pflegende Angehörige

Berufstätig sein und gleichzeitig Verantwortung für eine pflegebedürftige Person übernehmen, bedeutet, täglich unterschiedliche Anforderungen miteinander zu vereinbaren. Dieser fünftägige Bildungsurlaub unterstützt pflegende Angehörige dabei, ihre Rolle zwischen Erwerbstätigkeit, Pflegeverantwortung und eigener Gesundheit zu reflektieren und zu stärken.

Der Bildungsurlaub umfasst fünf Tage mit jeweils sieben Unterrichtseinheiten und bietet eine strukturierte Kombination aus Wissensvermittlung, Austausch, Reflexion und praktischen Übungen. Das Curriculum liegt vollständig ausgearbeitet vor. Lehr- und Arbeitsmaterialien sowie methodische Hinweise für die Durchführung stehen zur Verfügung, sodass Bildungseinrichtungen mit anerkannter Bildungsurlaubszulassung das Angebot unmittelbar umsetzen können. Ziel ist es, pflegende Angehörige in ihrer Handlungssicherheit zu stärken, Zugänge zu regionalen Unterstützungsstrukturen sichtbar zu machen und damit auch zur langfristigen Sicherung von Erwerbsbeteiligung und Fachpersonen in Unternehmen beizutragen.

Das vorliegende Curriculum wurde in Kooperation zwischen den Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz NRW sowie dem Servicezentrum des Landesprogramms Vereinbarkeit von Beruf & Pflege NRW entwickelt mit dem Ziel anerkannte Bildungsurlaubsanbieter inhaltlich dabei zu unterstützen, Bildungsurlaub für pflegende Angehörige anzubieten.

Kurzbeschreibung Aufbau und Nutzung des Curriculums

Das Curriculum gliedert den Bildungsurlaub in fünf Tage mit je sieben Unterrichtseinheiten á 45 Minuten. Die einzelnen Tage haben Themenschwerpunkte und werden im Verlauf der Woche miteinander verschränkt.

Der Bildungsurlaub wird an die konkrete Versorgungs- und Lebensrealität der Teilnehmenden angepasst, indem regionale Unterstützungsangebote, bestehende Beratungsstrukturen wie Pflegestützpunkte sowie betriebliche Rahmenbedingungen systematisch einbezogen werden. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit der Teilnehmenden in ihrem jeweiligen sozialen und beruflichen Umfeld nachhaltig zu stärken und ihre Vernetzung mit relevanten Akteur:innen zu fördern.

Die Lehrenden legen eigenverantwortlich inhaltliche Schwerpunkte fest und strukturieren darauf aufbauend die einzelnen Lerneinheiten. Innerhalb des vorgegebenen Rahmens passen sie den zeitlichen Ablauf flexibel an, um sowohl fachliche Anforderungen als auch die Bedarfe der Teilnehmenden angemessen zu berücksichtigen.

Die Lehrenden gestalten frei die Durchführung des Bildungsurlaubs methodisch-didaktisch so, dass nachhaltige Lern- und Transferprozesse ermöglicht werden.

  • Die Vermittlung der Inhalte erfolgt unter Anwendung partizipativer und interaktiver Methoden, die die Teilnehmenden aktiv einbeziehen, eigenständiges Denken fördern und den Praxisaustausch unterstützen.
  • Die didaktische Gestaltung zielt darauf ab, die Übertragbarkeit der Inhalte in konkrete berufliche und betriebliche Kontexte sicherzustellen. Praxisnahe Beispiele, Anwendungsübungen sowie die Entwicklung individueller Handlungsansätze sind integraler Bestandteil.
  • Die Lehrenden ermöglichen strukturierte Reflexionsphasen sowie kollegialen Austausch, um Erfahrungen zu bearbeiten, Perspektiven zu erweitern und gegenseitiges Lernen zu fördern.

 

 

Curriculum mit Lehr- und Arbeitsmaterialien

Neben dem Stundenplan finden Sie auch ein vollständig ausgearbeitetes Curriculum mit Lehr- und Arbeitsmaterialien.

Für die Umsetzung des Bildungsurlaubs empfiehlt es sich eine begleitende Kursleitung einzuplanen, die bei der inhaltlichen Ausgestaltung von verschiedenen Fachreferierenden unterstützt wird. Die Kursleitung sollte kundig im Themenfeld „Pflegende Angehörige“ sein und erfahren mit Gruppendynamiken umgehen können. Sie ist während der gesamten Woche präsent, so dass auch während der Lerneinheiten auf individuelle Bedürfnisse von Teilnehmenden eingegangen werden kann.

Laden Sie das Curriculum hier herunter.

Die Lehr- und Arbeitsmaterialien stellen eine Auswahl zur inhaltlichen Unterstützung des Bildungsurlaubs da. Laden Sie diese hier herunter.

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Titel der Veranstaltung
Bildungsurlaub für pflegende Angehörige

Kurzbeschreibung
Immer mehr Beschäftigte übernehmen neben ihrer Erwerbstätigkeit Verantwortung für die Pflege oder Unterstützung von Angehörigen. Diese Doppelrolle stellt hohe organisatorische, emotionale und gesundheitliche Anforderungen. Der Bildungsurlaub vermittelt praxisnahe Strategien, um Pflegeaufgaben und Beruf besser zu vereinbaren, Überlastung vorzubeugen und vorhandene Unterstützungsangebote im Pflege- und Sozialwesen gezielt zu nutzen.

Die Teilnehmenden erwerben Wissen über rechtliche Rahmenbedingungen, Versorgungsstrukturen und betriebliche Handlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig werden Kompetenzen in Selbstorganisation, Kommunikation und Stressbewältigung gestärkt. Ziel ist es, die Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten und tragfähige Lösungen zwischen Beschäftigten, Betrieben und Versorgungssystemen zu entwickeln.

Zielgruppe
Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen, die Angehörige pflegen oder künftig Pflegeverantwortung übernehmen könnten, sowie Interessierte, die sich auf mögliche Pflegeaufgaben vorbereiten möchten.

Lernziele
Die Teilnehmenden:

  • erhalten einen Überblick über Pflegegrade, Leistungen der Pflegeversicherung und regionale Unterstützungsangebote
  • lernen Strukturen der ambulanten, teilstationären und stationären Versorgung kennen
  • entwickeln Strategien zur Organisation von Pflege, Erwerbstätigkeit und Alltagsanforderungen
  • stärken Kompetenzen zur Kommunikation mit Arbeitgebern, Pflegeeinrichtungen und sozialen Diensten
  • lernen Methoden zur Stressprävention und Selbstfürsorge
  • erarbeiten individuelle Lösungsansätze für ihre persönliche Vereinbarkeitssituation

Inhalte (Auswahl)

  • Pflege in Deutschland: Systeme, Leistungen und Zugänge
  • Rechte von Beschäftigten mit Pflegeverantwortung (z. B. Pflegezeit, Familienpflegezeit)
  • Regionale Unterstützungsstrukturen: Beratungsstellen, Pflegedienste, Entlastungsangebote
  • Pflegesituation als Familienprojekt organisieren mit Einbeziehung mit professionellen Diensten
  • Kommunikation im Betrieb: Gespräche mit Führungspersonen und Kolleg*innen
  • Strategien für Zeitmanagement, Resilienz und Belastungsreduktion
  • Erfahrungsaustausch und Reflexion von Alltagssituationen der Teilnehmenden

Methoden
Fachinputs, Praxisbeispiele, Gruppenarbeit, moderierter Erfahrungsaustausch, Reflexionen sowie Übungen zur Entwicklung individueller Vereinbarkeitsstrategien.

Dauer
5 Tage (anerkennungsfähig als Bildungsurlaub nach dem Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz Nordrhein-Westfalen – AWbG NRW)

Nutzen für Arbeitgeber

Die Zustimmung zum Bildungsurlaub bringt auch für Unternehmen konkrete Vorteile:

  1. Sicherung von Fachpersonen
    Viele Beschäftigte stehen im Laufe ihres Berufslebens vor Pflegeverantwortung. Wenn Mitarbeitende lernen, Pflegeaufgaben besser zu organisieren, sinkt das Risiko von Arbeitsausfällen oder langfristigen Kündigungen.
  2. Stabilisierung der Arbeitsfähigkeit
    Wissen über Entlastungsangebote, Versorgungsstrukturen und Zeitmanagement reduziert Überlastung und hilft, gesundheitliche Folgen von Dauerstress zu vermeiden.
  3. Frühzeitige Klärung statt kurzfristiger Ausfälle
    Informierte Beschäftigte können frühzeitig Lösungen entwickeln und Gespräche mit dem Betrieb konstruktiv führen. Das erleichtert Planungssicherheit für Teams und Führungspersonen.
  4. Beitrag zu einer pflegesensiblen Unternehmenskultur
    Unternehmen, die Weiterbildung zu Vereinbarkeitsthemen unterstützen, stärken ihre Attraktivität als Arbeitgeber und fördern eine offene Gesprächskultur zu familiären Verpflichtungen.
  5. Regionale Vernetzung mit Versorgungsstrukturen
    Beschäftigte erhalten Einblick in regionale Unterstützungsangebote und professionelle Versorgungsstrukturen. Dadurch können Pflegearrangements stabil organisiert werden, ohne die Erwerbstätigkeit dauerhaft zu gefährden.

Hinweis zum Bildungsurlaub

Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen haben nach dem Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz NRW Anspruch auf Bildungsurlaub für anerkannte Veranstaltungen. Der Arbeitgeber stellt für die Dauer der Weiterbildung frei; die Kosten der Veranstaltung tragen in der Regel die Teilnehmenden selbst.

Links zum Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz NRW

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