
„Wenn Bedarf schneller wächst als Kapazitäten“
„Wenn Bedarf schneller wächst als Kapazitäten“ – Zahlen der Pflegekammer NRW zur Versorgungslage
Beim Fachtag des Landesprogramms „Versorgung sichern – Vereinbarkeit von beruflicher und privater Pflege gestalten“ im Dezember 2025 in Düsseldorf erläuterte Kevin Galuszka, Vorstandsmitglied der Pflegekammer NRW, die strukturelle Situation der Pflegebeschäftigten und mögliche künftige Versorgungsengpässe. Zudem beleuchtete er die besonderen Belastungen dieser Berufsgruppe bei der Vereinbarkeit ihrer beruflichen Tätigkeit und privater Sorgearbeit.
Eingangs stellte Galuszka, selbst seit 16 Jahren in der Pflege tätig, die Entstehungsgeschichte und die Aufgaben der Pflegekammer NRW als gesetzliche berufsständische Vertretung der professionell Pflegenden dar. Als unabhängige Körperschaft des öffentlichen Rechts vertritt die Kammer seit Dezember 2022 die beruflichen Interessen der rund 260.000 registrierten Mitglieder. Sie ist damit die mitgliederstärkste Heilberufekammer Deutschlands. Mitglied sind alle Pflegefachpersonen, die in NRW arbeiten oder wohnen. Die Kammer setze sich „als Parlament der Pflegefachpersonen“ dafür ein, die Anliegen der Pflege sichtbar zu machen, erläuterte Galuszka. Es sei ihre Aufgabe, den Beruf zu stärken und die Interessen der Pflege im Dialog mit anderen Heilberufen und Institutionen gegenüber Landes- und Bundespolitik aktiv zu vertreten und mitzugestalten. Die eigene Berufsordnung ermögliche es den Pflegebeschäftigten, ihre berufsrechtlichen Angelegenheiten selbst zu regeln.
Laut Zahlen der Pflegekammer wächst auch in NRW der Pflegebedarf schneller als die Kapazitäten. Dank des von der Pflegekammer eingeführten Berufsregisters gebe es erstmals transparente Daten und Transparenz und Fakten zur personellen Entwicklung und zur Einschätzung der regionalen Versorgungssituation. Die amtliche Landesstatistik habe bis vor wenigen Jahren nur rund 94.000 Pflegefachpersonen für NRW ausgewiesen. Die dank der genauen Erfassung über das Berufsregister deutlich darüber liegende Beschäftigtenzahl sei jedoch kein Grund zur Entwarnung: „Schon bei den 94.000 wurde gesagt, es gehen viele in Rente und wir bekommen einen Versorgungsmangel. Jetzt reicht allein die Anzahl der Pflegefachpersonen, die demnächst in Rente gehen, schon beinahe an diesen Wert heran.“
Demografischer Entwicklung entgegenwirken
Gemäß Statistik sind die meisten Mitglieder der Pflegekammer NRW zwischen 55 und 65 Jahre alt (31 Prozent). Nur 13 Prozent sind jünger als 30 Jahre. 37 Prozent sind 31 bis 42 Jahre alt, 25 Prozent zwischen 43 und 54 Jahren und drei Prozent über 65. Die demografische Entwicklung macht sich besonders im ländlichen Raum bemerkbar. Unter den zehn NRW-Kommunen mit besonders wenig jüngeren und sehr vielen älteren Pflegefachpersonen befindet sich mit Leverkusen nur eine Großstadt. Soest und Höxter weisen mit zehn Prozent unter 30 Jahren und 40 Prozent über 55 Jahren die deutlichste demografische Verschiebung auf. „Bei 40 Prozent über 55 wird es kritisch, dort droht eine Unterversorgung mit Pflegefachpersonen“, warnte Galuszka. „Da müssen wir dringend Konzepte entwickeln, um das altersbedingte Ausscheiden zu kompensieren.“
Für das Vorstandsmitglied ist klar: „Wir brauchen Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland.“ Die Kammer habe deshalb Anfang 2025 eine eigene Arbeitsgruppe „Internationale Fachkräfte“ gegründet. Zudem müssten die Versorgungssysteme im Sinne eines „Community Health Nursing“ umgestaltet werden – ein Ansatz, der die ganzheitliche Versorgung und Begleitung von Menschen aller Altersgruppen beinhaltet, sowohl in Phasen der Gesundheitserhaltung als auch bei Krankheit.
Investition in betriebliche Gesundheitsförderung
Generell müsse Prävention in allen Politik- und Wirkbereichen eine wichtigere Rolle spielen, betonte Galuszka. „Wir müssen die Menschen länger gesund erhalten.“ Das betreffe nicht nur das Vermeiden von Pflegebedürftigkeit, sondern insbesondere auch die Gesundheit von Pflegefachpersonen über 55 Jahre, auf deren weitere Tätigkeit man dringend angewiesen sei: „Der Gesundheitsschutz durch die Unternehmen muss besser werden.“ Investitionen in die betriebliche Gesundheitsförderung zahlten sich für die Arbeitgeber durch geringere Fehlzeiten und mehr Mitarbeiterzufriedenheit aus.
Wichtig sei zudem, die Expertise der Pflegefachpersonen auch in den Kommunalen Gesundheitskonferenzen und den Konferenzen Alter und Pflege in NRW zu verankern. „Nur gemeinsam können wir etwas erreichen“, unterstrich Galuszka.
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