Vereinbarkeitsangebote erhöhen die Lebensarbeitszeit

30.11.2023|Aktuelles

Das Roman Herzog Institut untersucht mit der  RHI-Studie, Nr. 38 „Lebensarbeitszeit im internationalen Vergleich“ das Potential der Lebensarbeitszeit zur Gestaltung der demografischen Herausforderungen. Vertiefend wird entsprechend des Untertitels auf die Die Bedeutung der Silver Worker für die Fachkräftesicherung eingegangen.

Wochenarbeitszeit unter Berücksichtigung der Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung

Die Forschenden D. H. Enste; M. Werding; J. Hensen ermitteln, dass die Lebensarbeitszeit der Erwerbstätigen in Deutschland zu den niedrigsten in Europa zählen. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit hier liegt unter Berücksichtigung sowohl der Vollzeit- als auch der Teilzeitbeschäftigung laut der Studie im Jahr 2022 bei 34,4 Stunden pro Woche. Weiter wird ausgeführt:

„Männer arbeiten mit 37,9 Stunden pro Woche (Eurostat, 2023d) durchschnittlich länger als Frauen (30,3 Stunden pro Woche). (…) Vollzeitbeschäftigte oder Selbstständige kommen durchschnittlich auf 40,5 Arbeitsstun­den pro Woche; Teilzeittätige durchschnittlich auf 20,8 Stunden. Die wöchentliche Arbeitszeit bei Teilzeit ist dabei in den letzten zehn Jahren um 2,7 Stunden gestiegen, wohingegen die Arbeitszeit der Erwerbstätigen in Vollzeit um 1,4 Stunden gesunken ist (Eurostat, 2021).“ (vgl. S. 8)

Die Forschenden sehen ein großes Potential zur Erhöhung der Lebensarbeitszeit durch bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder oder sonstige familiäre Verpflichtungen und durch Vollzeitangebote für Personen, die unfreiwillig teilzeitbeschäftigt sind (vgl. S. 9). Folglich können auch Angebote zur Pflegevereinbarkeit im Unternehmen einen Beitrag zur Lebensarbeitszeit leisten.

Produktivität und Arbeitszeit

Neben der geleisteten Arbeitszeit und Arbeitsmarktpartizipation stellt die Studie die Arbeitsproduktivität als wichtigen Faktor zum Erhalt des materiellen Wohlstands und der Bewältigung der demografischen Herausforderungen heraus. Denn bei kontinuierlichem Sinken der Arbeitszeit konnte die Arbeitsproduktivität deutlich steigen (vgl. S. 9).

Arbeitskräftepotential in Deutschland

Die Studie resümiert, dass das zusätzliche Arbeitskräftepotenzial bei Teilzeitkräften, darunter überwiegend Frauen, und bei älteren Personen besonders ausgeprägt sei und die Betreuungsangebote die Wahl des Arbeitsumfanges beeinflussen (S. 18). Bei den älteren Personen wird an die „Silver Worker“ gedacht. Die „Silver Worker“ sind Erwerbstätige, die auch über die Regelaltersgrenze hinaus erwerbstätig sind.

„Die Ergebnisse der Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA, 2022) deuten darauf, dass die Erwerbstätigkeit dieser Personengruppe überwiegend persönliche Gründe hat. 64 Prozent der rund 400 Befragten (Fähnrich et al., 2022) gaben als Hauptmotiv für Erwerbsarbeit im Ruhestandsalter persönliche Gründe (unter anderem Spaß an der Arbeit, Aufgabe im Alter zu haben und Kontakt zu anderen Menschen) an, gefolgt von 24 Prozent, die aus finanziellen Motiven und 12 Prozent, die aus betrieblichen Gründen arbeiten.“ S. 20.

Flexible Übergänge in die nachberufliche Lebensphase

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und des wachsenden Fachkräftemangels gewinnen die Lebensarbeitskonzepte an Bedeutung. In diesem Zusammenhang wird betont, dass es sinnvoll erscheine, einen flexiblen Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen, bei dem die Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, ihre Arbeitszeit am Ende ihrer beruflichen Laufbahn schrittweise zu reduzieren. Der flexible Übergang in den Ruhestand sollte dabei formelhaft an die weitere Lebenserwartung angepasst werden, statt immer wieder neu ein einheitliches landesweites Renteneintrittsalter festzusetzen (S. 23). Ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben ist im Sinne der Fachkräftestrategie zu verhindern und ältere Erwerbstätige sollen so lange wie möglich und individuell gewünscht im Erwerbsleben verbleiben können. (vgl. S. 28).

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    • Olivia Jungk-Jediss

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