Regionales Good Practice aus Bocholt: Bündnis für Familie gründet „Netzwerk Vereinbarkeit“

22.04.2026|Vereinbarkeit

Regionales Good Practice aus Bocholt: Bündnis für Familie gründet „Netzwerk Vereinbarkeit“

Wenn Kommune und Arbeitswelt gemeinsam für Vereinbarkeit eintreten

Wie lassen sich Beruf, Familie und die Pflege von Angehörigen besser miteinander vereinbaren und welche Rolle können Unternehmen dabei spielen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das neue „Netzwerk Vereinbarkeit“, das das Bündnis für Familie in Bocholt e. V. ins Leben gerufen hat. Die Kommune ist Teil des NRW-Landesprogramms zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege und die neue Initiative stellt ein schönes Beispiel dar, wie aus lokalem Engagement und betrieblicher Praxis ein starkes Netzwerk entstehen kann.

Vom Impuls zur Initiative: Wie das Netzwerk entstand

Den Anstoß zur Gründung des Netzwerks gab die Flender GmbH, die im Mai 2025 vom Bündnis für Familie in Bocholt e. V. mit der Bocholter Auszeichnung für FamilienFreundlichkeit (BAFF) geehrt wurde. In der Jury engagierte sich unter anderem Jennifer Middelkamp, Vorstandsmitglied des Bündnisses und gleichzeitig Pressesprecherin beim Unternehmerverband. Sie brachte den Gründungsprozess auf operativer Ebene voran.

Im Laufe der gemeinsamen Gespräche entwickelte sich die Idee weiter: Das Thema Familienfreundlichkeit sollte breiter gedacht werden, mit Blick auf die Pflege von Angehörigen und den damit verbundenen Herausforderungen bezüglich der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. An dieser Stelle wurde Antje Schlütter, Pflegekoordinatorin der Stadt Bocholt, eingebunden, die die Perspektive der kommunalen Pflegeberatung nun mit einbringt.

Ein spannendes Beispiel, wie aus einem unternehmerischen Impuls heraus ein Netzwerk entsteht, das unterschiedliche Akteure zusammenführt und so neue Synergien schafft.

Vernetzt von Anfang an: Betriebe, Stadt und Kreis an einem Tisch

Beim Auftakttreffen des neuen Netzwerks im März 2026 kamen HR-Fachleute und Interessierte aus ganz unterschiedlichen Branchen zusammen – vom kleinen Handwerksbetrieb über Dienstleister bis hin zur Industrie. Auch Vertreter:innen von Stadt und Kreis waren von Beginn an dabei. Viele der Teilnehmenden verbindet dabei ein persönlicher Bezug: Sie sind selbst betroffen, als Eltern oder als Angehörige pflegebedürftiger Menschen.

Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Antje Schlütter brachte die Dringlichkeit des Themas auf den Punkt: „Die Frage ist nicht, ob man mit Pflege konfrontiert wird, sondern wann.“ In Deutschland gibt es derzeit rund 5,7 Millionen pflegebedürftige Menschen, die zum größten Teil von ihren Angehörigen verorgt werden. Schlütter stellte in diesem Zusammenhang das Landesprogramm vor und zeigte, dass das neue „Netzwerk Vereinbarkeit“ Teil einer landesweiten Unterstützungsstruktur ist.

Die Flender GmbH als Impulsgeber

Als impulsgebendes Unternehmen stellte die Flender GmbH seine Maßnahmen vor: einen betriebsnahen Kindergarten, Zuschüsse zur Kinderbetreuung sowie flexible Arbeitszeit- und Standortregelungen. Familienfreundlichkeit wird dort als Teil einer umfassenden Unternehmensstrategie verstanden, die auf Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit ausgerichtet ist.

Oft übersehen: Vereinbarkeit für gewerblich-technische Beschäftigte

Das Netzwerk richtet seinen Blick ausdrücklich auch auf Beschäftigtengruppen, die in Vereinbarkeitsdebatten häufig zu kurz kommen. Annette Hünting-Deckers, Demografiebeauftragte der Stadt Bocholt und stellvertretende Vorsitzende des Bündnisses, betonte: „Gerade Monteure, Schichtarbeiter oder Beschäftigte auf Baustellen müssen stärker mitgedacht werden.“ Themen wie Vereinbarkeit im gewerblich-technischen Bereich oder auch „Führen in Teilzeit“ sollen bei den künftig zweimal jährlich stattfindenden Treffen im Mittelpunkt stehen.

Lokales Engagement mit Vorbildcharakter

Das „Netzwerk Vereinbarkeit“ macht deutlich, welches Potenzial in lokalen Initiativen steckt: Wenn Unternehmen, Verbände und Kommunen ihre Perspektiven zusammenbringen, können tolle Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen entstehen. Die Bocholter Initiative zeigt, wie ein Netzwerk aus Eigeninitiative heraus wachsen kann und dabei ein Thema voranbringt, das viele Menschen unmittelbar betrifft.

Mitmachen und vernetzen

Das Bocholter Netzwerk Vereinbarkeit steht allen Unternehmen und Organisationen offen, die sich mit dem Thema beschäftigen und voneinander lernen möchten. Wer am nächsten Treffen teilnehmen möchte, kann sich bei Annette Hünting-Deckers anmelden: annette.huenting-deckers@bocholt.de.

Bocholts Bürgermeister Christian Mangen (hinten Mitte) war bei der Gründung des Netzwerks Vereinbarkeit im LernWerk mit von der Partie. Dazu lud der Verein Bündnis für Familie in Bocholt ein; Annette Hünting-Deckers (3. v. l.) und Jennifer Middelkamp (2. v. l.) aus dem Vorstand organisieren künftig Netzwerktreffen für interessierte Bocholter und Firmen.        (Foto: Bündnis für Familie)

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