
Ergebnisse aus dem Familiendialog „Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf"
Ergebnisse aus dem Familiendialog „Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf“
Das Familienministerium hat einen Austausch zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen, Verbänden und Fachpublikum durchgeführt, an dem auch das Servicezentrum des NRW-Landeprogramms zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege beteiligt war. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:
- Wie gelingt familienbewusste Arbeitsorganisation?
Flexibilität bei Arbeitszeit und Arbeitsort steht im Mittelpunkt, ergänzt durch eine lebensphasenorientierte Personalpolitik, die Auszeiten für Familie oder Pflege von vornherein mitdenkt. Dabei wurde betont, dass Vereinbarkeit nicht als Problem einzelner Beschäftigter behandelt werden darf, sondern als gemeinsame Verantwortung von Unternehmen, sozialem Umfeld und Infrastruktur. Auch Väter sollen ausdrücklich angesprochen werden, denn Vereinbarkeit ist kein Frauenthema.
Führungspersonen spielen eine Schlüsselrolle: Wer Vereinbarkeit vorlebt und Auszeiten nicht als Karrierenachteil wertet, schafft eine Unternehmenskultur, in der familiäre Themen offen besprochen werden können. Ergänzend brauchen Unternehmen niedrigschwelligen Zugang zu praxisnahen Informationen, etwa über Kammern oder Wirtschaftsförderungen.
- Welche Unterstützung benötigen Beschäftigte mit Care-Aufgaben?
Pflegende Beschäftigte stehen unter psychischem und organisatorischem Druck, der von außen oft kaum wahrgenommen wird. Viele sprechen ihre Situation nicht offen an, aus Sorge vor negativen Konsequenzen. Dabei reicht der Organisationsaufwand von Terminabsprachen über Arztbesuche bis hin zu kurzfristigen Pflegeereignissen, die flexible Lösungen erfordern.
Was Betroffene hier vor allem brauchen: flexible Arbeitszeitmodelle, die Möglichkeit, auch während Meetings erreichbar zu bleiben, sowie geschützte Rückzugsräume für vertrauliche Telefonate. Mindestens genauso wichtig ist ein wertschätzender Umgang. Das Wissen, dass Unterstützungsangebote grundsätzlich vorhanden sind, wirkt bereits stressreduzierend, auch wenn sie nicht sofort genutzt werden. Klare Ansprechpersonen wie betriebliche Pflege-Guides und transparente Informationsangebote wurden als entscheidende Entlastungsfaktoren genannt. Darüber hinaus plädierten die Teilnehmenden für unternehmensübergreifende Ansätze wie zum Beispiel einen systematischen Austausch über Good Practices oder die Einführung von „Eltern krank“-Tagen analog zum bekannten „Kind krank“-Modell.
- Was erwarten Beschäftigte heute von einem familienbewussten Arbeitgeber?
Beschäftigte wünschen sich Flexibilität als grundlegendes Prinzip. Phasen mit reduzierter Arbeitszeit oder besonderen familiären Verpflichtungen sollten nicht automatisch zu Karriereeinbußen führen. Gleichzeitig wurde angeregt, Elternschaft und Pflegeverantwortung stärker als Quelle von Kompetenzen anzuerkennen, etwa in den Bereichen Organisation, Verantwortungsübernahme und Konfliktlösung.
Ebenso wichtig ist eine offene Unternehmenskultur. Vereinbarkeitsangebote sollten proaktiv und kontinuierlich kommuniziert werden, damit sie nicht ungenutzt bleiben. Und: Pflege soll im Betrieb als normaler Bestandteil von Vereinbarkeit verstanden werden.
Was das Landesprogramm dazu beiträgt
Viele der im Dialog genannten Maßnahmen sind bereits Bestandteil des NRW-Landesprogramms zur Vereinbarkeit von Beruf & Pflege. Insbesondere die Qualifizierung betrieblicher Pflege-Guides, die als erste Ansprechpersonen Kolleg:innen mit privater Pflegeverantwortung Orientierung geben, sind ein wichtiger Schritt hin zu einer offenen und unterstützenden Unternehmenskultur. Ergänzt wird dies durch die Vernetzung mit regionalen Beratungs- und Pflegestrukturen sowie praxisnahen Instrumente wie dem betrieblichen Pflegekoffer.
Möchten auch Sie Ihr Unternehmen pflegesensibel aufstellen? Bianca Heep steht Ihnen unter der Telefonnummer 030 / 2218298 30 oder per E-Mail an berufundpflege@kda.de für alle Fragen rund um das Landesprogramm zur Verfügung.