Die 100. Charta
20.04.2023| Aktuelles

Was, wenn bei Mitarbeitenden im Betrieb plötzlich ein Pflegefall in der Familie auftritt? Und das in der aktuellen Fachkräftesituation? Immerhin werden bereits 86 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Nordrhein-Westfalen (NRW) zu Hause von ihren Angehörigen versorgt. Diese sind in vielen Fällen berufstätig und müssen beides, ihre Arbeit und die Betreuung, unter einen Hut bringen. Hier setzt das Landesprogramm „Vereinbarkeit von Beruf & Pflege NRW“ an. Dabei geht es um Möglichkeiten, eine gute Vereinbarkeit von Job und Betreuung zu organisieren. Es geht aber auch um das Sichern und das Neugewinnen von Fachkräften.

Das 100. Unternehmen, das am Landesprogramm teilnimmt und mit der Charta „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege NRW“ ausgezeichnet wurde, ist der Kölner Betrieb Elektro Ernst. Anlässlich der 100. Charta-Unterzeichnung besuchte Matthias Heidmeier, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW, die Kölner Firma. „Dass sich Erwerbstätigkeit und die Pflege von Angehörigen und Freunden miteinander in Einklang bringen lassen, ist in unserer alternden Gesellschaft und auch vor dem Hintergrund des Arbeits- und Fachkräftemangels von großer Bedeutung. Ich freue mich sehr, dass ich heute, nur knapp ein Jahr nach der ersten Verleihung, bereits den 100. nordrhein-westfälischen Betrieb mit der Charta zur ‚Vereinbarkeit von Beruf und Pflege‘ auszeichnen kann. Dies zeigt auch, dass das Bewusstsein der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber für die Bedeutung der Vereinbarkeit steigt“, sagte Staatssekretär Matthias Heidmeier und betonte: „Besonders schön ist, dass nicht nur große Unternehmen, sondern auch kleine Handwerksbetriebe wie Elektro Ernst hier in Köln sich für eine bessere Vereinbarkeit einsetzen.“

Zu den ersten Gratulanten zählte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, Garrelt Duin: „Die Fachkräfte zu bekommen ist das eine, sie zu halten das andere“, erklärte er. „Darum ist die Sichtbarkeit dieses Landesprogramms wichtig, weil die Sorgen der Menschen echt sind und ihre Arbeitskraft wertvoll. Es ist wichtig, dass gerade kleine und mittlere Handwerksbetriebe da auf Unterstützung durch das Programm zählen können!“

Mit dem Programm werden vor allem kleine und mittlere Unternehmen unterstützt. So gehören zu den Unternehmen, die bereits mit der Charta „Vereinbarkeit von Beruf & Pflege“ ausgezeichnet wurden, nicht nur große Firmen und Behörden, sondern auch Handwerksbetriebe wie der Kölner Elektrobetrieb. Für Geschäftsführer Henning Ernst und seine zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben immer wichtiger. „In einem kleinen Betrieb sind wir wie eine Familie, und jede Fachkraft ist wertvoll – neue Fachkräfte zu bekommen, ist ein riesiges Problem“, sagt Henning Ernst. „Wenn wir durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten können oder sogar noch neue gewinnen können, ist das ein großer Vorteil für uns.“ Gerade kleinere Betriebe ohne Personalabteilung profitieren von den Angeboten des Landesprogramms. So wird zum Beispiel der „Betrieblichen Pflegekoffer NRW“ bereitgestellt – eine digitale Plattform, auf der sich aktuelle Informationen und regionale Entlastungsangebote finden. Henning Ernst hat diese Informationen durch die Teilnahme am Landesprogramm im Bedarfsfall schnell zur Hand.

Eine wichtige Säule des Landesprogramms ist die Qualifizierung von Mitarbeitenden zu Pflege-Guides. Sie sind Ansprechpartner im Betrieb und informieren über Hilfsmöglichkeiten. Diese werden ihnen vom Servicezentrum Pflegevereinbarkeit beim Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) in Köln zur Verfügung gestellt. Die Qualifizierung wird im Rahmen des Landesprogramms von der AOK Rheinland/Hamburg und der AOK NordWest finanziert und landesweit organisiert.

Im März 2022 gab Karl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW, den Startschuss zum Landesprogramm „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege NRW“. Das Landesprogramm wird zur Hälfte vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen und zur anderen Hälfte von den Landesverbänden der Pflegekassen zusammen mit dem Verband der Privaten Krankenversicherung finanziert.

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