
Akute Ausnahmesituation: Extreme Hitze verschärft die Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege
Akute Ausnahmesituation: Extreme Hitze verschärft die Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege
Hitzeperioden stellen insbesondere ältere und pflegebedürftige Menschen vor erhebliche gesundheitliche Belastungen. Für berufstätige pflegende Angehörige bedeutet dies eine doppelte Heruasforderung: Während sie selbst ebenfalls unter den körperlichen Auswirkungen der Hitze leiden, steigt gleichzeitig der Unterstützungs- und Sorgeaufwand für den pflegebedürftigen Angehörigen. Die ohnehin anspruchsvolle Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wird in solchen Ausnahmesituationen zusätzlich erschwert.
Wenn Hitze den Pflegealltag verändert
Pflegebedürftige Menschen gehören zu den besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen. Mit zunehmendem Alter oder aufgrund chronischer Erkrankungen ist die Fähigkeit des Körpers, hohe Temperaturen auszugleichen, häufig eingeschränkt. Die Wohnumgebungen sind aufgeheizt. Gleichzeitig wird Durst oftmals weniger wahrgenommen, sodass das Risiko einer Dehydrierung steigt (siehe Infobox). Auch Kreislaufprobleme, Erschöpfung, Kopfschmerzen oder Verwirrtheit können durch extreme Hitze verstärkt werden.
Für pflegende Angehörige bedeutet dies, dass sie den Alltag ihrer Angehörigen noch intensiver begleiten und organisieren müssen. Dazu gehören beispielsweise:
- auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten und regelmäßig ans Trinken zu erinnern,
- Wohnräume durch richtiges Lüften und Abdunkeln möglichst kühl zu halten,
- gegebenenfalls Ventilatoren oder mobile Klimageräte zu beschaffen, zu installieren oder deren Nutzung zu organisieren,
- Arzttermine oder Besorgungen möglichst in die kühleren Morgenstunden zu verlegen,
- hitzebedingte Beschwerden frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
Hinzu kommt, dass viele pflegebedürftige Menschen während extremer Hitze ihre Wohnung kaum verlassen können. Gewohnte Spaziergänge, Besuche oder Freizeitaktivitäten entfallen. Dadurch werden soziale Kontakte eingeschränkt und die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe geht verloren.
Auch pflegende Angehörige sind von der Hitze betroffen
Gleichzeitig dürfen die Belastungen der pflegenden Angehörigen selbst nicht aus dem Blick geraten. Pflege bedeutet Anstrengung, nicht nur körperlich zum Beispiel beim Transfer, sondern generell beim Versorgen eines Menschen. Bei hohen Temperaturen wird dies deutlich belastender.
Dennoch bleibt die Verantwortung bestehen: Der pflegebedürftige Angehörige muss versorgt werden, gleichzeitig erwarten Beruf und Betrieb weiterhin Verlässlichkeit. Viele Beschäftigte erleben dadurch einen erheblichen zusätzlichen Druck. Sie sorgen sich während der Arbeitszeit um ihre Angehörigen und müssen gleichzeitig ihre beruflichen Aufgaben erfüllen.
Unterstützung organisieren – Netzwerke werden jetzt besonders wichtig
Niemand sollte die Herausforderungen extremer Hitze allein bewältigen müssen. Gerade für solche Ausnahmesituationen ist es hilfreich, frühzeitig ein persönliches Unterstützungsnetzwerk aufzubauen.
Hilfreich können beispielsweise sein:
- Nachbarinnen und Nachbarn, die zwischendurch nach dem pflegebedürftigen Menschen sehen,
- Angehörige oder Freunde, die Getränke oder Einkäufe übernehmen oder beim Tragen helfen,
- Personen aus dem sozialen Umfeld, die kurzfristig Besorgungen erledigen oder bei organisatorischen Aufgaben unterstützen,
- ambulante Dienste oder ehrenamtliche Unterstützungsangebote, sofern sie verfügbar sind.
Ein solches Netzwerk entlastet nicht nur praktisch, sondern gibt auch während der Arbeitszeit ein Stück Sicherheit, dass im Notfall jemand erreichbar ist oder nach dem Rechten sieht.
Was Betriebe zur Entlastung beitragen können
Auch Arbeitgeber können einen wichtigen Beitrag leisten, um Beschäftigte mit Pflegeverantwortung während extremer Hitze zu unterstützen. Oft sind es bereits kleine, unbürokratische Maßnahmen, die große Wirkung entfalten.
Dazu gehören beispielsweise:
- Flexible Arbeitszeiten: Ein früherer Arbeitsbeginn mit einer längeren Mittagspause während der heißesten Tageszeit oder eine individuelle Anpassung der Arbeitszeiten können den Pflegealltag erleichtern.
- Flexible Zeitkonten: Beschäftigte könnten vorübergehend Minusstunden aufbauen, die zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausgeglichen werden. So entsteht kurzfristig Handlungsspielraum, wenn der Unterstützungsbedarf plötzlich steigt.
- Kurzfristige Erreichbarkeit ermöglichen: Arbeitgeber können Telefonate während der Arbeitszeit ermöglichen, damit Beschäftigte ihre Angehörigen ans Trinken erinnern oder sich vergewissern können, dass es ihnen gut geht.
- Kurze Freistellungen ohne großen Verwaltungsaufwand: Wenn kurzfristig ein Ventilator organisiert oder eine akute Versorgung sichergestellt werden muss, können flexible Lösungen helfen.
- Mobiles Arbeiten, wo möglich: Wer zeitweise von zu Hause arbeitet, kann Pflege und Beruf in einer Hitzesituation häufig besser koordinieren.
- Verständnisvolle Führung und offene Kommunikation: Führungskräfte, die die besonderen Belastungen anerkennen und gemeinsam mit den Beschäftigten individuelle Lösungen suchen, tragen wesentlich zur Entlastung bei.
- Informationen und Beratung bereitstellen: Betriebe können ihre Mitarbeitenden über Hitzeschutz, betriebliche Unterstützungsangebote sowie externe Beratungs- und Pflegeangebote informieren.
- Ansprechpersonen im Betrieb stärken: Betriebliche Pflege-Guides können dabei unterstützen, passende Hilfen schnell zu organisieren und Beschäftigte auf bestehende Angebote aufmerksam zu machen.
Vereinbarkeit braucht auch in Ausnahmesituationen verlässliche Unterstützung
Die extreme Hitze zeigt, wie verletzlich die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sein kann. Wenn in Ausnahmesituationen der Sorgeaufwand kurzfristig deutlich zunimmt, benötigen pflegende Angehörige Verständnis und flexible Unterstützung.
Eine pflegesensible Unternehmenskultur zeigt sich deshalb gerade in solchen Situationen. Wer Beschäftigten ermöglicht, auf akute Belastungen schnell zu reagieren, trägt nicht nur zur Gesundheit und Entlastung der Mitarbeitenden bei, sondern stärkt zugleich Motivation, Bindung und langfristige Arbeitsfähigkeit.
